Astrid Lambrecht

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Astrid Lambrecht (* 20. Januar 1967 in Mülheim an der Ruhr) ist eine deutsche Quantenphysikerin. Sie leitet seit 2023 das Forschungszentrum Jülich als Vorsitzende des Vorstands. Zuvor hatte sie leitende Funktionen im Geschäftsbereich Physik der französischen Forschungsorganisation Centre national de la recherche scientifique (CNRS) inne.[1]

Leben und Karriere

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Lambrecht stammt aus Mülheim an der Ruhr. Sie studierte zunächst ein Jahr lang Medizin, ehe sie sich für Physik an der Universität Duisburg-Essen einschrieb.[2] Das Studium schloss sie im Jahr 1990 mit einer Diplomarbeit bei Fritz Haake ab.[3] 1991 wechselte sie an das Imperial College London.[4] Ihre Promotion beendete sie bei Élisabeth Giacobino im Jahr 1995 in Paris am Laboratoire Kastler Brossel mit einer Arbeit unter dem Titel Atomes froids et fluctuations quantiques (Kalte Atome und Quantenfluktuationen).[5] Anschließend forschte sie am Max-Planck Institut für Quantenoptik im Rahmen eines Post-Doc-Stipendiums im Labor von Theodor Hänsch, dem späteren Nobelpreisträger für Physik (2005).[4] 1996 wechselte sie an das Centre national de la recherche scientifique (CNRS) für Physik in Paris. Im Jahr 2002 habilitierte sich Lambrecht an der Universität Pierre und Marie Curie.

Im Jahr 2007 wurde Lambrecht Forschungsdirektorin des Laboratoire Kastler Brossel. Von 2014 bis 2015 war sie stellvertretende Direktorin desselben Institutes. Ab 2016 wurde sie stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des Geschäftsbereiches Physik des Centre national de la recherche scientifique, ab 2018 dessen Leiterin.[1] 2021 wechselte sie ans Forschungszentrum Jülich, wo sie als Vorständin den wissenschaftlichen Geschäftsbereich 1 verantwortet.[6]

Von 2007 bis 2014 war Lambrecht Mitherausgeberin der Fachzeitschrift EPL im Fachgebiet Physik.

Seit August 2023 ist Lambrecht Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich.[7]

Astrid Lambrecht forscht zu Quantenfluktuationen und den daraus resultierenden Effekten. Einen Schwerpunkt legt sie dabei auf den mikrophysikalischen Casimir-Effekt. Ein Anwendungsfeld für diesen Forschungsbereich bilden mikroelektromechanische Systeme (MEMS), etwa Miniaturplatten in Smartphones, Airbags und Tintenstrahldruckern.[1] Ihr Augenmerk richtet sich darüber hinaus auf verwandte Phänomene in der Atomphysik oder Nanophysik sowie auf den Casimir-Effekt bezogene physikalische Fragestellungen in anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen wie der Biologie und der Chemie. Neben der Grundlagenforschung befasst sie sich auch mit anwendungsbezogenen Fragestellungen.[3] Ein Anliegen ist ihr darüber hinaus die Wissensvermittlung im Bereich der modernen Physik in populärwissenschaftlichen Schriften, die bislang in drei Sprachen erschienen.[8]

Mitgliedschaften

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Beiträge in Anthologien

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Beiträge in Fachzeitschriften

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  • mit Gert-Ludwig Ingold und Serge Reynaud: Quantum dissipative Brownian motion and the Casimir effect. In: Physical Review E. Band 80, Heft vom 4. Oktober 2009, doi:10.1103/PhysRevE.80.041113, S. 041113-1–041113-13, (PDF; 0,34 MB).
  • mit Gabriel Dufour, Romain Guérout, Valery Nesvizhevsky, Serge Reynaud, Alexei Voronin: Quantum Reflection of Antihydrogen in the GBAR Experiment. In: International Journal of Modern Physics: Conference Series. Band 30. World Scientific Publishing, 2014, S. 1460265.
  • mit Romain Guerout, Gert-Ludwig Ingold, Serge Reynaud: Accounting for Dissipation in the Scattering Approach to the Casimir Energy. In: Symmetry. Band 10, Heft 37. 2018, doi:10.3390/sym10020037, S. 1–11, (PDF; 0,5 MB).
  • mit Antoine Canaguier-Durand und Serge Reynaud: Scattering properties of collective dipolar systems. In: The European Physical Journal D. Atomic, Molecular, Optical and Plasma Physics. Band 74. Nr. 77. Springer, EDP Sciences, 22. April 2020, doi:10.1140/epjd/e2020-100530-y.

Einzelnachweise

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  1. a b c Regine Panknin: Neue Vorständin: Dr. Astrid Lambrecht geht an den Start. In: fzj.de. Forschungszentrum Jülich, 21. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2022.
  2. Astrid Lambrecht: Astrid Lambrecht. In: HAL – cv.archives-ouvertes.fr. CCSD - Centre pour la Communication Scientifique Directe, abgerufen am 21. November 2022 (französisch).
  3. a b Physik-Preise 2016: Gentner-Kastler-Preis. In: Deutsche Physikalische Gesellschaft (Hrsg.): Physik Journal. Band 15, Nr. 1. Wiley-VCH Verlag, 2016, ISSN 1617-9439, S. 54 (pro-physik.de [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 21. November 2022]).
  4. a b c Mathieu Grousson: Astrid Lambrecht, la curiosité en partage. In: Société Française de Physique und CNRS (Hrsg.): Reflets de la Physique. Nr. 64, 14. Februar 2020, ISSN 1953-793X, S. 40–41, doi:10.1051/refdp/202064040 (refletsdelaphysique.fr [PDF]).
  5. Atomes froids et fluctuations quantiques. In: tel.archives-ouvertes.fr. HAL Open Science, abgerufen am 27. September 2022 (französisch).
  6. Forschungszentrum Jülich – Vorstand. In: fz-juelich.de. Abgerufen am 27. September 2022.
  7. Astrid Lambrecht neue Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich. Abgerufen am 1. August 2023.
  8. Astrid Lambrecht, Lauréate du Prix-Gentner Kastler 2016. In: lkb.upmc.fr. Laboratoire Kastler Brossel, abgerufen am 21. November 2022 (französisch).
  9. Société CEA Commissariat a l'energie atomique et aux energies alternatives. In: pappers.fr. Abgerufen am 21. November 2022 (französisch).
  10. Astrid Lambrecht: Director of the Institute of Physics. In: cnrs.fr. Centre national de la recherche scientifique, abgerufen am 27. September 2022 (englisch).
  11. Preisträgerinnen und Preisträger: 2016. In: dpg-physik.de. Deutsche Physikalische Gesellschaft, abgerufen am 27. September 2022.
  12. Forschungszentrum Jülich – Press releases – New Board Member: Dr. Astrid Lambrecht Starts 1 June. In: fz-juelich.de. Abgerufen am 28. März 2022.
  13. Présidence de la République ORDRE NATIONAL DE LA LÉGION D’HONNEUR. (französisch).
  14. Rubrik: Menschen. In: Physik Journal. Band 23, Nr. 5, Mai 2024, ISSN 1617-9439, S. 39–43 (pro-physik.de [abgerufen am 4. Mai 2024]).