Behaarter Kälberkropf

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Behaarter Kälberkropf

Behaarter Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum)

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Gattung: Kälberkröpfe (Chaerophyllum)
Art: Behaarter Kälberkropf
Wissenschaftlicher Name
Chaerophyllum hirsutum
L.

Der Behaarte Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), auch Rauhaariger Kälberkropf,[1] Wimper-Kälberkropf, Bach-Kälberkropf[2] oder Gewöhnlicher Gebirgs-Kälberkropf[3] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kälberkröpfe (Chaerophyllum) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Laubblatt
Döldchen und Blüten
Ausschnitt eines Fruchtstandes mit unreifen Doppelachänen und Hüllchenblättern

Erscheinungsbild und Blatt

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Der Behaarte Kälberkropf ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 6 bis, meist 20 bis 120 Zentimetern.[4] Das etwas kriechende Rhizom ist gegliedert oder walzlich. Der Stängel ist im Querschnitt rund, glatt oder etwas gerillt, abstehend behaart und oben verzweigt; er ist im oberen Teil ästig und unter den Nodien nicht oder kaum verdickt.[4]

Von wechselständig angeordneten Laubblättern sind die Grundblätter und die unteren Stängelblätter lang gestielt, die oberen Stängelblätter sitzen oft auf der Blattscheide. Die Blattspreiten sind im Umriss breit-dreieckig, bis fünfeckig und drei- bis vierfach fiederschnittig.[4] Sie sind im Vergleich zum Gold-Kälberkropf dunkel-grün, unterseits meist glänzend[4] und wie ihr Blattstiel borstig-flaumig behaart, bisweilen aber auch ganz kahl.

Generative Merkmale

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Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der doppeldoldige Blütenstand ist vor der Anthese überhängend und 10- bis 20-strahlig. Die Doldenstrahlen sind kahl.[4] Eine Hülle fehlt oder besteht aus ein bis zwei hinfälligen Hüllblättern. Die ungleich geformten fünf bis zehn Hüllchenblätter sind lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende, breit weißhautrandig und bewimpert; sie sind zuletzt zurückgeschlagen.[4]

Die Blüten sind zwittrig. Die weißen oder rosafarbenen Kronblätter sind verkehrt-herzförmig, etwas ausgerandet und am Rand deutlich bewimpert. Das Griffelpolster ist kegelförmig und allmählich in die steifen, aus aufrechtem Grund nur wenig spreizenden, in einem spitzen Winkel voneinander abstehenden Griffel verschmälert.[4]

Die bei Reife gelb- bis dunkel-braune Doppelachäne ist bei einer Länge von 4 bis, meist 6 bis 12 Millimetern so lang oder länger als ihr Stiel,[4] linealisch und nach oben verjüngt; ihr größter Querdurchmesser ist 1 bis etwa 3 Millimeter.[4] Der Fruchthalter ist etwas über dem Grund am dicksten und nur an der Spitze oder bis zur Hälfte zweispaltig.[4]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[5]

Ähnliche Arten

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Herbarbeleg von Chaerophyllum hirsutum (bitte keine Pflanzenteile aus Naturbeständen entnehmen)
Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii)

Der Behaarte Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) ist leicht mit dem Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii W.D.J.Koch) zu verwechseln. Er hat aber dreizählige Grundblätter, bei denen die beiden Grundfiedern fast so groß sind wie die Endfieder. Der Alpen-Kälberkropf hat dagegen Grundblätter, die mehr als dreizählig gefiedert sind und bei denen die beiden Grundfiedern kleiner sind als die restliche Endfieder. Bei ihm sind die Fruchthalter fast bis zum Grund zweispaltig, während sie bei Chaerophyllum hirsutum nur oben zweispaltig sind.[5] Bei Chaerophyllum villarsii sind die Blattscheiden der oberen Laubblätter nur 3 bis 10 Millimeter lang. Bei Chaerophyllum hirsutum sind sie 1 bis 5 Zentimeter lang.[4]

Beim Behaarten Kälberkropf handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Rhizome, die zu einer ausgeprägten Polykormbildung führen können.

Blüten weisen einen unangenehmem Geruch nach Aminen auf. Die zuerst männlich aufblühenden Blüten werden häufig von Käfern und Fliegen aufgesucht.

Neben der Klettausbreitung spielt die Verschwemmung der Diasporen eine Rolle bei der Ausbreitung.

Chaerophyllum hirsutum kommt in den gebirgigen Gebieten von Europa, in den Alpen, den zentraleuropäischen Mittelgebirgen, den Pyrenäen, Apenninen, dem Balkan und den Karpaten vor. Es gibt Fundortangaben in den Ländern Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Tschechien, Polen, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Rumänien, Bulgarien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland und Ukraine.[6] Im Vereinigten Königreich und in Dänemark ist der Behaarte Kälberkropf ein Neophyt.[6] In Mitteleuropa kommt der Behaarte Kälberkropf zerstreut bis selten vor.

In Österreich ist er sehr häufig zu finden; dagegen fehlt er in Wien[2]. In der Schweiz ist er häufig zu finden. Chaerophyllum hirsutum kommt in Deutschland nur im Süden bis Südosten des Gebiets häufiger vor. In den Bachtälern der Bergwälder ist er etwa vom Westerwald, über Rhön, Harz, Thüringen, Sachsen (Erzgebirge) bis in die Alpen verbreitet.

Der Behaarte Kälberkropf besiedelt Feuchtwiesen, Wiesen- und Bachsäume, Ufer sowie Grünlandbrachen, in der subalpinen Höhenstufe auch Hochstaudenfluren und verwandte Pflanzengesellschaften. Luftfeuchte, lichte oder nur mäßig beschattete Standorte werden öfter besiedelt. Der Behaarte Kälberkropf kommt oft in der Assoziation Chaerophyllo-Ranunculetum aconitifolii (Verband Calthion) vor, aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Filipendulion, Aegopodion podagrariae oder Alno-Ulmion minoris.[5]

In den Allgäuer Alpen steigt der Behaarte Kälberkropf bis zu einer Höhenlage von 1900 Meter an der Höfats auf[7]. In Tirol und im Tessin erreicht er 2100 Meter, im Kanton Wallis 2450 Meter.[4]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[3]

Chaerophyllum hirsutum wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 258 erstveröffentlicht[8].[9] Synonyme für Chaerophyllum hirsutum L. sind Bellia hirsuta (L.) Bubani und Chaerophyllum cicutaria Vill.[6]

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:

  • Chaerophyllum hirsutum subsp. hirsutum: Sie kommt in Europa und im Kaukasusraum vor.[6]
  • Chaerophyllum hirsutum subsp. magellense (Ten.) Pignatti: Bei dieser Unterart ist die Frucht sehr groß und 13 bis 18 (bis 20) Millimeter lang.[4] Sie kommt nur in Italien im Apennin von der Toskana und Emilia bis Kampanien und Basilicata vor.[6][4] Das Epitheton magellense bedeutet „von der Majella“.[4]

Früher wurde auch eine Unterart:

  • Chaerophyllum hirsutum subsp. villarsii ((W.D.J.Koch) Arcang.) aufgeführt, die meist als eigenständige Art Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii W.D.J.Koch) angesehen wird.[6]

Für den Behaarten Kälberkropf bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bergkörbel (Schweiz), Bergschierling, Groswedendank und Rosskümmel (Bern, Memmingen).[10]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise

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  1. Chaerophyllum hirsutum L. s. str., Rauhaariger Kälberkropf (i. e. S.). auf FloraWeb.de
  2. a b Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 837.
  3. a b Chaerophyllum hirsutum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 15. Januar 2024.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o Albert Thellung: Umbelliferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965, S. 1006–1014.
  5. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 701.
  6. a b c d e f Ralf Hand (2011): Apiaceae. Datenblatt Chaerophyllum hirsutum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  7. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 264.
  8. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1. Stockholm 1753, S. 258 (eingescannt – Erstveröffentlichung von Chaerophyllum hirsutum eingescannt bei Biodiversity Heritage Library).
  9. Chaerophyllum hirsutum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 1. Januar 2016.
  10. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 89. (eingescannt).
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