Britische Kolonisierung Amerikas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Besiedlung und Kolonisierung des amerikanischen Doppelkontinents durch das Königreich England, hernach Königreich Großbritannien, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland und schließlich Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, begann Ende des 16. Jahrhunderts und erreichte ihren Höhepunkt, als in allen Teilen des Kontinents Kolonien und auf Hawaii ein Protektorat errichtet worden waren. Die Briten waren mit diesem entstehenden Reich im Prozess der europäischen Kolonisierung Amerikas lange die Hauptrivalen des spanischen Kolonialreichs in Amerika.

Die britische Eroberung verursachte dramatische Umbrüche in den indianischen Zivilisationen Amerikas: direkt durch britische Militärkräfte, indirekt durch eingeschleppte europäische Krankheiten und den „Columbian Exchange“, dem Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre. Obwohl viele indianische Gesellschaften eine Kriegerschicht ausgebildet hatten und lange Erfahrung in Kriegsführung aufwiesen, unterlagen sie letztlich den überlegenen britischen Kräften. Viele der eroberten Völker verschwanden oder wurden in das koloniale System eingegliedert.

Nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde den verbleibenden britischen Gebieten Amerikas mehr Eigenständigkeit gewährt, bis sie in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Auf diese Art erhielten zwei Länder in Nordamerika, zehn in der Karibik und eines in Südamerika ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Heute gibt es in Amerika noch acht britische Überseegebiete mit unterschiedlichen Graden von Selbstverwaltung. Außerdem sind neun ehemalige britische Besitzungen in Amerika heute Commonwealth Realms, unabhängig vom Vereinigten Königreich, aber in Personalunion verbunden durch das gemeinsame Staatsoberhaupt.

Auf dem Höhepunkt der Macht des Britischen Weltreichs existierten drei Arten von Kolonien; Pachtgebiete (englisch: „charter colony“), Eigentumssiedlungsgebiete (englisch: „proprietary colony“) und Kronkolonien (englisch: „royal colonies“ oder „crown colonies“).

Englische Kolonien in Nordamerika

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Königreich England gründete Kolonien entlang der Ostküste Nordamerikas von Neufundland im Norden bis nach Florida im Süden. Anfänglich galt der Name „Virginia“ (nach dem Titel „The Virgin Queen“ (deutsch: „Die jungfräuliche Königin“) der englischen Königin Elisabeth I.) für die gesamte Küste, einschließlich der Seeprovinzen. Zu den ersten Kolonien gehörten St. John’s (Neufundland), das 1583 von Sir Humphrey Gilbert in Besitz genommen wurde (es kam jedoch erst zwei Jahrzehnte später zu einer ständigen Besiedlung); die 1585–1587 gegründete und 1590 unter ungeklärten Umständen verwüstete Kolonie Roanoke war eine der ersten. „Jamestown Settlement“ ist die in 1607 gegründet, erste erfolgreiche Ansiedlung Englands. Die Popham Colony, die ebenfalls 1607 im heutigen Maine gegründet wurde, wurde nach einem Jahr aufgegeben. Die Siedlung Cuper’s Cove wurde 1610 in Neufundland gegründet. Die Plymouth Colony wurde 1620 gegründet und nach den 1620er Jahren entstand eine ganze Reihe von Kolonien entlang der Nordostküste Nordamerikas, einschließlich der Massachusetts Bay Colony, die 1630 gegründet wurde.[1] Die frühen Kolonien bestanden aus englischen Landwirten und Herren, sowie angeheuerten Ausländern.

Einige englische Kolonien wurden nach dem System von Eigentumsgouverneuren gegründet, die unter Handelschartas englischer Aktiengesellschaften (damals englisch: „Joint Stock Company“) ermächtigt wurden, Ansiedlungen zu gründen und zu betreiben.

England übernahm 1664 auch einige niederländische Kolonien, wie Nieuw Nederland (einschließlich Nieuw Amsterdams), die danach in Province of New York umbenannt wurde. Mit den Neu-Niederlanden erlangten die Briten Kontrolle über das frühere Neuschweden, das zuvor die Niederländer erobert hatten. Es wurde Teil von Pennsylvania.

Schottische Kolonien in Nordamerika

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Versuche des Königreichs Schottland eine Kolonie in Darien zu gründen, blieben ebenso erfolglos wie eine kurze schottische Besiedlung Nova Scotias von 1629 bis 1632. Tausende Schotten nahmen an der englischen Kolonisierung teil, schon bevor die beiden Länder 1707 vereinigt wurden (Realunion nach der seit 1603 bestehenden Personalunion).

Britische Kolonien in Nordamerika

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Königreich Großbritannien übernahm 1713 die französische Kolonie Akadien und 1763 nach dem Gewinn des Siebenjährigen Krieges den nördlichen Teil Neufrankreichs sowie die spanische Kolonie Florida. Aus der am dichtesten besiedelten Region Neufrankreichs wurden „Die Kanadas“ Oberkanada und Niederkanada.

Im Norden betrieb die Hudson’s Bay Company Pelzhandel mit den Indianern in Konkurrenz mit französischen Pelzhändlern. Die Company erlangte Kontrolle über das gesamte Einzugsgebiet der Hudson Bay, genannt Ruperts Land. Der kleine Teil des Einzugsgebietes der Hudson Bay, der südlich des 49. Breitengrades liegt, ging 1818 an die USA.

Ab 1775 rebellierten die Dreizehn Kolonien, vorrangig wegen Mitbestimmungsrechten, lokalen Gesetzen und Steuersachen, und gründeten die Vereinigten Staaten von Amerika.

Großbritannien kolonisierte auch die Westküste Nordamerikas, vor allem Oregon Country, von 1818 bis 1848 zusammen mit den USA. Die Kolonien von Vancouver Island, gegründet 1849, und New Caledonia, gegründet 1846, wurden später zusammengelegt und British Columbia genannt.

1867 wurden die Kolonien New Brunswick, Nova Scotia und die Provinz Kanada (der südliche Teil des heutigen Ontario und Québec) zusammengefasst, um ein selbstregiertes Dominion namens Kanada innerhalb des Britischen Weltreichs zu bilden. Québec (einschließlich des heutigen Südteils Ontarios) und Nova Scotia (einschließlich des heutigen New Brunswick und Prince Edward Island) wurde Großbritannien von den Franzosen überlassen. Die Kolonien Prince Edward Island und British Columbia schlossen sich während folgenden sechs Jahre an und Neufundland kam 1949 hinzu. Ruperts Land und das „North-Western Territory“ wurden 1870 Kanada überlassen. Dieses Gebiet besteht nun aus den Provinzen Manitoba (entstanden 1870 nach Verhandlungen zwischen Kanada und einer Provisorischen Regierung der Métis), Saskatchewan und Alberta (beide 1905 gebildet), sowie die Nordwest-Territorien, das Yukon-Territorium (gebildet 1898 nach dem Goldrausch von Klondike) und Nunavut (gebildet 1999).

Liste britischer Kolonien in Nordamerika

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britische Kolonien in der Karibik

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Reihenfolge der Besiedlung oder Gründung:

  • St. Kitts – Die Insel wurde 1623 von Sir Thomas Warner besiedelt. Im folgenden Jahr besiedelten zudem Franzosen Teile von St. Kitts. Nachdem sie die Kariben massakriert hatten, wandten sich Briten und Franzosen gegeneinander und St. Kitts wechselte zwischen beiden hin und her, bis mit dem Frieden von Paris (1783) die Insel an die Briten fiel. Sie wurde 1983 als St. Kitts und Nevis unabhängig.
  • Barbados – Die Insel wurde 1625 besiedelt. Sie wurde 1966 unabhängig.
  • Nevis – Die Insel war seit 1628 ständig besiedelt. Sie wurde als St. Kitts und Nevis 1983 unabhängig.
  • Antigua – Die Insel wurde 1632 besiedelt. Sie wurde als Antigua und Barbuda 1981 unabhängig.
  • Barbuda – Die Insel wurde 1632 besiedelt. Sie wurde als Antigua und Barbuda 1981 unabhängig.
  • Montserrat – Die Insel wurde 1632 besiedelt. 1664–1668 und 1782–1784 wurde sie von den Franzosen okkupiert. Sie ist nach wie vor britisches Territorium.
  • Bahamas – Die Inselgruppe wurden von 1647 an besiedelt. 1971 wurde sie unabhängig.
  • Anguilla – Die Insel wurde 1650 besiedelt. Seine Regierung war von 1882 mit der von St. Christopher vereinigt, bis sie 1967 ihre Abtrennung erklärte. 1969 wurde sie zurück unter britische Verwaltung gebracht. Sie ist nach wie vor britisches Territorium.
  • Jamaika – Die Insel wurde 1655 von Spanien erobert. Sie wurde 1962 unabhängig.
  • Britische Jungferninseln – Die Inseln wurden von 1666 an besiedelt. Sie sind nach wie vor britisches Territorium.
  • Cayman Islands – Die Inseln wurden erstmals in den 1750er Jahren ständig besiedelt. Sie sind nach wie vor britisches Territorium.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Dominik Nagl: No Part of the Mother Country, but Distinct Dominions – Rechtstransfer, Staatsbildung und Governance in England, Massachusetts und South Carolina, 1630–1769. Lit, Berlin 2013, S. 175–252 (freies Digitalisat bei Scribd).
  2. Nicholas Canny, The Oxford History of the British Empire: Volume I: The Origins of Empire: British Overseas Enterprise to the Close of the Seventeenth Century , 2001, ISBN 0-19-924676-9.
  3. The Early Settlement of St. John's, [1], 1998, Newfoundland and Labrador Heritage Web Site Project, Memorial University of Newfoundland, accessed August 27, 2006
  4. Paul O’Neill, The Oldest City: The Story of St. John's, Newfoundland, 2003, ISBN 0-9730271-2-6.
  5. Colony of Avalon, [2], Colony of Avalon Foundation, Revised March 2002, Weblink vom 27. August 2006