Christian Brandstätter

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Christian Brandstätter (2012)

Christian Brandstätter (* 21. September 1943 in Lambach, Oberösterreich; † 24. Jänner 2024) war ein österreichischer Verleger, Herausgeber, Autor und Kunstsammler mit Schwerpunkt Fotografie. Er war ab 1968 im Verlagswesen tätig und gründete 1982 den Christian Brandstätter Verlag in Wien.

Christian Brandstätter studierte von 1961 bis 1965 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Nach abgeschlossenem Studium arbeitete Brandstätter ab 1968 als Privatsekretär und leitender Mitarbeiter im Verlag Fritz Moldens, wo er 1974 eine eigene Bildbandabteilung, die Molden Edition Grafische Kunst begründete.[1][2] Im Mai 1982 musste der Molden Verlag überraschend Insolvenz anmelden. Der Journalist Hans Heinz Hahnl notiert dazu in der Arbeiter-Zeitung:

„Die Verlagslandschaft ist sicher ärmer, wenn es Molden nicht mehr geben sollte. Nicht zuletzt, wenn der unverwechselbare Bildbuchstil verschwände, den Christian Brandstätter hier geprägt hat.“

Hans Heinz Hahnl, 26. Mai 1982[3]

Im Anschluss an den Konkurs Moldens folgte die Entscheidung zur Gründung des Christian Brandstätter Verlags. Brandstätter übernahm dafür das Herbstprogramm der Molden Edition in seinen wesentlichen Teilen für den jungen Verlag.[1] Der Theaterkritiker und Schriftsteller Hans Weigel schreibt anlässlich der Verlagsgründung:

„Er [Christian Brandstätter] scheint mir ein geborener, sogar der allergeborenste Verleger in weitem Umkreis […] Macher und Liebhaber von Büchern in Personalunion, ein Kenner, ein großer Gestalter.“

Hans Weigel, August 1982[2][4]

Als Schaffensfeld hatte sich Brandstätter schon zur Zeit der Molden Edition „das schöne, werkgerechte Buch“[5] erkoren. Mit Publikationen zur Kunst und Kultur der Wiener Belle Epoque, Bildbänden historischer und zeitgenössischer Fotografie und Sachbüchern zu unterschiedlichen Themen der Kunst, Kultur und Geschichte konnte sich Christian Brandstätter als Verleger, Gestalter und Autor im Laufe der 1980er Jahre weiter am Markt etablieren.[2]

Nach einem fehlgeschlagenen Großprojekt musste Christian Brandstätters Verlag 1991 vom Österreichischen Bundesverlag (ÖBV) übernommen werden, welcher Anfang 2003 wiederum von der Klett-Gruppe aufgekauft wurde.[6] Christian Brandstätter blieb bis 2005 als verlegerischer Geschäftsführer des Verlags tätig[2] und erwarb im selben Jahr 50 % des Unternehmens im Management-Buy-out zurück. Weitere 50 % wurden von einem Kooperationspartner übernommen.[1][2][6][7]

2007 gründete Christian Brandstätter mit dem Münchner Verleger Johannes Thiele den Thiele Verlag, an dem Brandstätters Unternehmen bis zum Jahr 2013 zu 51 % beteiligt war.[8][9]

2011 zog sich Brandstätter aus den geschäftlichen Belangen des Stammverlags zurück, der heute zu den „führenden Bildband- und Kunstbuchverlage[n] Österreichs“ zählt.[1][10][11]

Von 1993 bis 2003 war Brandstätter als Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik der Universität Wien tätig.

2002 gründete Christian Brandstätter mit seinem Sohn Nikolaus Brandstätter das Unternehmen IMAGNO brandstätter images, eine Agentur für historische Bildrechte, die neben Brandstätters Privatsammlung inzwischen insgesamt rund 4 Millionen Bilder aus österreichischen Bildarchiven verwaltet und vermarktet.[1][10][12] 2022 wurde die Marke im Rahmen des 20-Jahr-Jubiläums auf den Namen brandstaetter images geändert.[13]

Brandstätter war Autor und Gestalter zahlreicher Bildbände, u. a. Klimt und die Frauen, Damals in Wien, Klimt und die Mode, Design der Wiener Werkstätte[14] sowie Herausgeber der Reihe Die Welt von gestern in Farbe.[15]

Autor / Gestalter (Auswahl, chronologisch)

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  • Oberösterreich, Wien: Molden Ed. Graphische Kunst, 1975. ISBN 3-217-00727-1
  • Burgenland, Wien: Molden Ed. Graphische Kunst, 1976. ISBN 3-217-00799-9
  • Bayern, Wien: Molden Ed. Graphische Kunst, 1977. ISBN 3-217-00872-3
  • Made in Germany : die Gründerzeit deutscher Technik und Industrie in alten Photographien 1840–1914, Wien: Molden, 1977. (mit Franz Hubmann) ISBN 3-217-00782-4
  • Werner J. Schweiger: Wiener Werkstätte: Kunst und Handwerk 1903–1932, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 1983. ISBN 3-85447-002-9
  • Stadtchronik Wien: 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 1986. ISBN 3-85447-229-3
  • Gustav Klimt und die Frauen, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 1994. ISBN 3-85447-493-8
  • Damals in Wien: Menschen um die Jahrhundertwende, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 1995. (mit Franz Hubmann), ISBN 3-85447-532-2
  • Klimt und die Mode, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 1998. ISBN 3-85447-788-0
  • Design der Wiener Werkstätte: 1903–1932, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 2003. ISBN 3-85498-124-4

Herausgeber (Auswahl, chronologisch)

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  • André Heller: „Rede auf Christian Brandstätter zum 60.Geburtstag und dem 20. seines Verlages“ in: Wienereien oder ein absichtlicher Schicksalnarr. Verstreutes gesammelt, Wien: Christian Brandstätter Verlag, 2012. ISBN 978-3-85033-322-1
Commons: Christian Brandstätter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e Hauptverband des österreichischen Buchhandels: Die schönen Seiten des Lebens (Memento vom 11. Januar 2014 im Internet Archive) (Interview mit Christian & Nikolaus Brandstätter), 8. Oktober 2012, (Abgerufen am 19. November 2012)
  2. a b c d e Brandstätter Verlag: Geschichte (Abgerufen am 19. November 2012)
  3. Hans Heinz Hahnl, Arbeiter-Zeitung, Wien, 26. Mai 1982
  4. „Grussadressen“ zur Gründung des Verlages. In: Verlagsprogramm Herbst 1982, Christian Brandstätter Verlag & Edition GmbH, Wien
  5. Verlagsprogramm Herbst 1982, Christian Brandstätter Verlag & Edition GmbH, Wien
  6. a b BuchMarkt: Christian Brandstätter Verlag geht durch Management Buyout an Familien Brandstätter und Grasl, 21. Dezember 2004, (Abgerufen am 19. November 2012)
  7. Grasl Druck & Neue Medien: Christian Brandstätter Verlag GmbH: MBO durch die Familien Brandstätter und Grasl, 21. Dezember 2004 (Memento vom 14. September 2007 im Internet Archive)
  8. “Thiele Verlag”: Christian Brandstätter hat neuen Verlag gegründet, derstandard.at, 16. April 2007, (Abgerufen am 19. November 2012)
  9. BuchMarkt: Christian Brandstätter (Memento vom 31. August 2017 im Internet Archive), 21. September 2008, (Abgerufen am 26. Januar 2024)
  10. a b Impulse setzen für illustrierte Bücher – der Brandstätter Verlag (Memento vom 6. Januar 2016 im Internet Archive), Hochschule der Medien Stuttgart, Mai 2010, (Abgerufen am 19. November 2012)
  11. Börsenblatt: Standbein, Spielbein, Stabübergabe. Nr. 18, 2012
  12. IMAGNO brandstätter images: Archive & Sammlungen (Memento vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive), 17. November 2008, (Abgerufen am 19. November 2012)
  13. Jubiläum der Bildagentur des Brandstätter Verlags: Imagno wird 20 Jahre und zu brandstaetter images. Hauptverband des österreichischen Buchhandels, abgerufen am 12. September 2022.
  14. Christian Brandstätter auf perlentaucher.de
  15. Christian Brandstätter auf literaturkritik.de