Landerziehungsheim

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Landerziehungsheime oder Landschulheime sind eine Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Form reformpädagogisch orientierter Internate. Sie sollen nicht eine Lehranstalt, sondern ein Lern- und Lebensort sowie Heimat für die Schüler sein.

Der Begriff wurde vom Gründer der deutschen Landerziehungsheim- oder Landschulbewegung, dem Reformpädagogen Hermann Lietz, geprägt. Ihr Ursprung liegt in der Kritik an der bloßen Wissensvermittlung der herkömmlichen Schulen. Als erstes deutsches Landerziehungsheim gilt die 1898 gegründete Pulvermühle bei Ilsenburg im Harz, es folgten die Hermann-Lietz-Schule Haubinda in Thüringen (1901) und Schloss Bieberstein in der hessischen Rhön (1904). Zu ihrem Konzept gehört die Lage auf dem Land, die fern dem als schädlich betrachteten Einfluss der Großstadt eine ganzheitliche Erziehung ermöglichen soll. Es besteht eine enge Verwandtschaft zur Jugendbewegung. Weiteren, eher praktischen Hintergrund der Landerziehungsheimbewegung lieferten aus England die Public School sowie die erzieherischen Ideen von John Locke und Thomas Arnold, aus Deutschland die Philanthropie und aus Frankreich die Ideen Michel de Montaignes und Jean-Jacques Rousseaus.

Als frühe Vorläufer, die bereits einzelne Strukturelemente der Landerziehungsheime aufweisen, sind in Deutschland die Fürstenschule Schulpforta (gegr. 1543) bei Naumburg (Saale), die Salzmannschule Schnepfenthal (gegr. 1784) und die „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“ von Friedrich Fröbel (gegr. 1816, ab 1817 in Keilhau) zu nennen.[1]

Als erste Boarding School, Public School bzw. Internat gilt die 597 in England gegründete King’s School, Canterbury, gefolgt von Winchester College 1382, Sevenoaks School 1432, Eton College 1440, Westminster College 1509, Oundle School 1556, Rugby School 1567, Harrow School 1572, Charterhouse 1611 etc. Eine der ältesten Preparatory Schools ist die 1645 in Headley gegründete Cheam School.

Maßgeblichen Einfluss auf Hermann Lietz hatte die 1889 von Cecil Reddie gegründete Abbotsholme School in den Midlands von England.

Gründer deutscher Internatsschulen nach Geburtsjahrgang:

Landerziehungsheime in Deutschland

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Hermann-Lietz-Schulen:

weitere Schulen:

14 der genannten Landerziehungsheime haben sich, zusammen mit der schweizerischen École d’Humanité im Dachverband Die Internate Vereinigung zusammengeschlossen. Dieser hat sich 2012 aus seiner Vorgängerin, der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime (LEH), neu konstituiert, nachdem zuvor mehrere ihrer Mitglieder ausgetreten waren.[6]

Jüdische Landschulheime in Deutschland und ihre Gründer

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In Wolfenbüttel existierte seit 1786 die Samson-Schule, eine jüdische Freischule. In den 1920er Jahren wurde versucht, die Schule neu auszurichten, was aber nicht gelang und zur Schließung im Jahre 1928 führte. Zu den Gründen schreibt Hildegard Feidel-Mertz: „1928 war gerade die traditionsreiche Samson-Schule in Wolfenbüttel daran gescheitert, ein modernes jüdisches Landerziehungsheim nach dem Vorbild von Wickersdorf oder der Odenwaldschule zu werden, weil das assimilierte jüdische Bürgertum seine Kinder lieber von vornherein in diese durch Toleranz und Weltoffenheit ausgezeichneten liberalen Landerziehungsheime schickte.“[7]

In der Folge der ab 1933 zunehmenden Ausgrenzung jüdischer Kinder und Lehrkräfte aus dem deutschen Schulwesen entstanden in Deutschland erneut Jüdische Landschulheime. Sie standen überwiegend in der Tradition der Reformpädagogik, stellten sich aber auch der Aufgabe, die Kinder zu selbstbewussten Mitgliedern der verfolgten jüdischen Gemeinschaft zu erziehen und auf eine Auswanderung vorzubereiten.[8]

In der Tradition dieser Jüdischen Landerziehungsheime stand auch das in Schweden gegründete

Landerziehungsheime im Vereinigten Königreich

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Landerziehungsheime in Frankreich

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Landerziehungsheime in Italien

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Landerziehungsheime in den Niederlanden

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Landerziehungsheime in der Schweiz

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  • Hermann Lietz: Die ersten drei Deutschen Land-Erziehungs-Heime zwanzig Jahre nach der Begründung. Ein Versuch ernsthafter Durchführung deutscher Schulreform. Verlag des Land-Waisenheims a. d. Ilse, Veckenstedt 1918.
  • Kurt Hahn: Reform mit Augenmaß. Ausgewählte Schriften eines Politikers und Pädagogen. Herausgegeben von Michael Knoll. Mit einem Vorwort von Hartmut von Hentig. Klett-Cotta, Stuttgart 1998, ISBN 3-608-91951-1.
  • Willy Potthoff: Einführung in die Reformpädagogik, Freiburg 2003, ISBN 3-925416-26-9.
  • Hermann Lietz: Reform der Schule durch Reformschulen. Kleine Schriften (= Pädagogische Reform in Quellen 1). Herausgegeben von Ralf Koerrenz. IKS, Jena 2005, ISBN 3-938203-15-3.
  • Gustav Wyneken: Freie Schulgemeinde Wickersdorf. Kleine Schriften (= Pädagogische Reform in Quellen 4). Herausgegeben von Ulrich Herrmann. IKS Garamond, Jena 2006, ISBN 3-938203-41-2.
  • Paul Geheeb: Die Odenwaldschule 1909–1934 (= Pädagogische Reform in Quellen 6). Texte von Paul Geheeb. Berichte und Diskussionen von Mitarbeitern und Schülern. Herausgegeben von Ulrich Herrmann. Verlag IKS Garamond, Jena 2010, ISBN 978-3-941854-15-4.
  • Bernhard Hell: Die Evangelische Schulgemeinde. Versuch zur Gestaltung eines evangelischen Landerziehungsheims (= Pädagogische Reform in Quellen 8). Herausgegeben und kommentiert von Ralf Koerrenz. Verlag IKS Garamond, Jena 2011, ISBN 978-3-941854-44-4.
  • Ralf Koerrenz: Hermann Lietz. Einführung mit zentralen Texten. Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77204-6
  • Hermann Lietz: Protestantismus als idealistische Pädagogik. Kleine Schriften zur Religion und zum Religionsunterricht. Hg. von Ralf Koerrenz. Jena 2011 (Pädagogische Reform in Quellen Bd. 14)
  • Hildegard Feidel-Mertz: Jüdische Landschulheime im nationalsozialistischen Deutschland, von Hermann Schnorbach aktualisierte Fassung in: Inge Hansen-Schaberg (Hrsg.): Landerziehungsheim-Pädagogik, Reformpädagogische Schulkonzepte, Band 2, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 2012, ISBN 978-3-8340-0962-3, S. 159–182. Der Aufsatz enthält ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis.
  • Jens Brachmann: Reformpädagogik zwischen Re-Education, Bildungsexpansion und Missbrauchsskandal: die Geschichte der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime 1947–2012. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2015, ISBN 978-3-7815-2067-7.
  • Jürgen Oelkers: Pädagogische Provinz: Goethe, Fichte und die Landerziehungsheime. In: Claude Haas, Johannes Steizinger, Daniel Weidner (Hrsg.): Goethe um 1900. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2017, ISBN 978-3-86599-349-6, S. 117–138, urn:nbn:de:hebis:30:3-528029.
Wiktionary: Landerziehungsheim – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Willy Potthoff S. 75–87
  2. Gustav Marseille: Pädagoge und Gründer der Internatsschule Schloss Bischofstein
  3. Willy Potthoff, S. 47
  4. s. Kap. 2.6 S. 33ff hier (@1@2Vorlage:Toter Link/www-public.tu-bs.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven))
  5. s. dazu – neben Leonard Nelson oder PPA
  6. http://www.internate.de/index.php/internate/pressespiegel/die-internate-vereinigung.html
  7. Hildegard Feidel-Mertz: „Mit dem Blick fürs Ganze“. Die Sozialpädagogin Gertrud Feiertag (1890–1943), in: Inge Hansen-Schaberg und Christian Ritzi (Hg.): Wege von Pädagoginnen vor und nach 1933, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler, 2004, ISBN 3-89676-768-2, S. 24
  8. Hildegard Feidel-Mertz: Jüdische Landschulheime im nationalsozialistischen Deutschland
  9. Das Jüdische Landschulheim Herrlingen befand sich zwar auf dem Gelände des von Anna Essinger gegründeten und 1933 nach England verlegten Landschulheims Herrlingen, es war jedoch konzeptionell völlig anders ausgerichtet und kann deshalb nicht als dessen Nachfolgeeinrichtung angesehen werden.