Steinkreuz

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Steinkreuz von Kvitsøy, Norwegen
Steinkreuz in Weißig bei Dresden
Das vom Oberheldrunger Heimatforscher Ernst Glaß 1923 gehobene Steinkreuz mit der "Wandererandachtsrune" auf einem Notgeldschein von 1921.

Steinkreuz ist die Bezeichnung für ein Kreuz aus Stein. Steinkreuze gibt es in verschiedenen Formen in allen Teilen der Welt. Häufige Arten sind Flurkreuze in Europa, Steinkreuze auf Friedhöfen, Gedenkkreuze sowie Altarkreuze in Kirchen. Die Kreuze können aus Sandstein, Granit, Kalkstein oder anderen Steinarten hergestellt sein. Sie wurden meist aus einem Block gehauen.

Steinerne Flurkreuze

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Regionale Formen

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In Form eines Keltenkreuzes, bis 6,7 Meter hoch, meist aus Sandstein oder Granit, seit 8. Jahrhundert, in Irland, Schottland, Wales, Isle of Man

In Form eines kleinen Keltenkreuzes mit einem langen Schaft, bis 5,5 Meter hoch, meist aus Sandstein, in England und Schottland

  • Skandinavisches Flurkreuz

Meist in Form eines lateinischen Kreuzes, bis 3,7 Meter hoch, meist aus Granit oder Basalt, in Norwegen, Schweden

  • Mitteleuropäisches Flurkreuz

In Form eines lateinischen oder byzantinischen Kreuzes, meist 80 bis 120 Zentimeter hoch und 40 bis 60 Zentimeter breit, meist aus Granit, in Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien, Polen

Eine vergrößerte Variante des Steinkreuzes mit Elementen eines Bildstockes

Mitteleuropäische steinerne Flurkreuze

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Bei den meisten steinernen Flurkreuzen ist der Anlass ihrer Aufstellung unbekannt. Um einige ranken sich Sagen und Legenden.

Sühnekreuze und Gedenkkreuze

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Häufig wurden Gedenkkreuze für Personen aufgestellt, die durch Mord, Totschlag oder Unfall plötzlich gestorben waren. Die Vorübergehenden sollten ein Fürbittgebet für deren Seelenheil sprechen, da die Verstorbenen keine Sterbesakramente erhalten konnten. Das Kreuz wurde meist vom Täter oder seinen Angehörigen errichtet. Es sind oberpfälzische und sächsische Sühneverträge erhalten geblieben, in denen ausdrücklich die Setzung eines Sühnekreuzes vereinbart worden war.

Wetter- oder Hagelkreuze wurden möglicherweise zum Schutz vor Unwettern aufgestellt. Diese Interpretation ist aber unsicher, es gibt keine eindeutigen schriftlichen Belege dafür. Möglicherweise leitete sich die Bezeichnung auch von einer mundartlichen Bezeichnung für Sühnekreuze ab (wetten > erinnern).

Hussitenkreuze, Schwedenkreuze, Franzosenkreuze

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Im Volksmund haben die Steinkreuze regional unterschiedliche Bezeichnungen, die auf historische tragische Ereignisse zurückgehen. Entlang des Böhmerwaldes gibt es „Hussitenkreuze“, in der nördlichen Oberpfalz „Schwedenkreuze“. In mehreren Sagen ist die Rede davon, dass unter diesen Denkmälern Schweden begraben liegen. Im Westen spricht man auch von „Franzosenkreuzen“.[1] Die meisten dieser Kreuze entstanden jedoch schon lange vor diesen Ereignissen, es dürfte sich um spätere Umdeutungen, oder überlagertes Gedenken an Massaker und Schlachten in der Nähe dieser Kreuze, oder bei diesen bestattete Opfer handeln. Bei einigen der Kreuze könnte es sich auch um frühe Pestkreuze handeln.[2][3]

Grenzzeichen und Orientierungspunkte

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Möglicherweise wurden einige Kreuze als Grenzzeichen, Richtungsweiser (Wegekreuz) oder Freisteine errichtet. Die Begrenzung der „zweimal gebrochenen Weid“ des Klosters Seligental wurde durch Steinkreuze mit dem Symbol einer Schäferschippe im Kopfteil angezeigt. Von diesen Steinkreuzen standen in den 1930er-Jahren noch sechs Exemplare. Das letzte dieser Kreuze wurde vor dem Untergang gerettet, indem es bei der St.-Sebastian-Kirche in Seckach im Neckar-Odenwald-Kreis aufgestellt wurde.[4]

Gerichts- und Schwurkreuze

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Einige der alten Kreuze könnten auf alte Formen der Gerichtsbarkeit zurückgehen, etwa als Schwurkreuze, an denen Verträge besiegelt wurden.

Gedenkkreuze über die Errichtung von mittelalterlichen Verkehrswegen

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In Zittau wurde im Jahre 1392 schriftlich bezeugt, dass als Dank für eine mildtätige Stiftung eines Kuttenberger Bürgers zur Ausbesserung einer gebirgsüberschreitenden Fernstraße nach Gabel ein Kreuz errichtet wurde. Bei Nowgorod ist ein Kreuz aus dem 12. Jahrhundert erhalten, das an den Bau eines Kanals erinnert.

Steinerne Flurkreuze in Deutschland

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Steinkreuz in der Oberpfalz

Die Kleindenkmäler befinden sich entlang von alten Straßen und Wegkreuzungen, an Bäumen und Waldrändern, auf Anhöhen oder auf Gemeinde- und alten Herrschaftsgrenzen. Besonders häufig sind sie in der Oberpfalz und in Mitteldeutschland zu finden, wobei die Basaltkreuze fast ausschließlich in der Eifel vorkommen.

Viele dieser steinernen Zeugen einer vergangenen Zeit sind durch Unachtsamkeit, Unwissenheit oder mutwillige Zerstörung verschwunden. Wie Rainer H. Schmeissner in seiner 1977 erschienenen Monografie Steinkreuze in der Oberpfalz schreibt, gibt es noch über 300 von ihnen allein in der Oberpfalz. 400 Exemplare waren es dort noch um die vorherige Jahrhundertwende, das sind fast doppelt so viele wie in Nieder- und Oberbayern zusammen.

Die vom Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden zwischen 1977 und 1980 herausgegebenen Inventare weisen für Sachsen einen Bestand von 436 Steinkreuzen und Kreuzsteinen nach.

Den höchsten Bestand in Baden-Württemberg hat der Main-Tauber-Kreis. Bedingt durch die Naturlandschaft des Kreises, in der die landwirtschaftliche Struktur gewahrt blieb, ohne dass es zu einer Verdichtung von Siedlung und Industrie kam, wurden dort 1968 noch weit über 100 Kreuze gezählt.[3] In Bonfeld im Landkreis Heilbronn ist im Bonfelder Schlosspark ein Sühnekreuz aus dem 16. Jahrhundert bewahrt, das an der ehemaligen Fernverbindung Wimpfen–Eppingen stand.[5]

Oft sind die grob behauenen Kreuze schon in einem stark verwitterten Zustand. Auf manchen ist eine Zeichnung eingeritzt, nur selten haben sie eine Inschrift.

Außer durch Verwitterung, mutwillige oder fahrlässige Beschädigung rühren Schäden an Steinkreuzen auch vom Volksglauben her. Ein alter Steinzauber besagt, dass ein von einem Steinkreuz abgeschlagenes und in fließendes Wasser geworfenes Steinstück Zauberei und Unglück abwende.[6] Durch Abschaben von Steinkreuzen wurde sogenanntes Steinkreuzmehl gewonnen, dem man auch magische Kraft beimaß.[7]

Pestkreuz auf einem Pestfriedhof nahe Leiberg
Steinkreuz im sächsischen Kleinwolmsdorf bei Dresden (Einritzung Schwert)

Besondere Steinkreuze (Auswahl)

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Steinkreuznester

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Ein sogenanntes Steinkreuznest liegt vor, wenn an einem Aufstellungsort mehrere Steinkreuze beieinander liegen.[8][9]

  • Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1904. (Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Gustav Kuhfahl: Die alten Steinkreuze in Sachsen. Dresden 1928 und 1936. (Digitalisat)
  • Heinz Köber: Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens. Erfurt 1960.
  • Gerhard Ost: Alte Steinkreuze in den Kreisen Jena, Stadtroda und Eisenberg. Jena 1962.
  • Ada Paul: Steinkreuze und Kreuzsteine in Österreich. Horn 1975.
  • Heinz Deubler, Richard Künstler, Gerhard Ost: Steinerne Flurdenkmale in Ostthüringen (Bezirk Gera). Gera o. J. (1977).
  • Quietzsch Müller: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen I Inv. Bez. Dresden. Berlin 1977.
  • Rainer H. Schmeissner: Steinkreuze in der Oberpfalz. Regensburg 1977.
  • Heinrich Riebeling: Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen. Werner Noltemeyer Verlag, Dossenheim/ Heidelberg 1977, ISBN 3-88172-005-7.
  • Hans-J. Wendt: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen II Inv. Bez. Karl-Marx-Stadt. Berlin 1979.
  • Harald Quietzsch: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen III Inv. Bez. Leipzig. Berlin 1980.
  • Dietrich Neuber, Günter Wetzel: Steinkreuze und Kreuzsteine. Inventar Bezirk Cottbus. (= Geschichte und Gegenwart des Bezirkes Cottbus. Sonderheft). Cottbus 1980.
  • Horst Torke: Alte Steinkreuze zwischen Dresden, Pirna und Sächsischer Schweiz. Pirna 1983.
  • Karl Dill: Flurdenkmäler im Landkreis Kulmbach. Kulmbach 1984.
  • Frank Störzner: Steinkreuze in Thüringen. Katalog Bezirk Erfurt. (= Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. 10). Weimar 1984.
  • Karl Bedal: Rätselhaftes, versunken, vergessen, unsichtbar. Doch genau vermessen. Hof 1986.
  • Baumann Müller: Kreuzsteine und Steinkreuze in Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Hameln 1988.
  • Frank Störzner: Steinkreuze in Thüringen. Katalog Bezirke Gera–Suhl. (= Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. 21). Weimar 1988.
  • Ada Paul: Steinkreuze und Kreuzsteine in Österreich (Nachtrag). Regensburg 1988.
  • Walter Saal: Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle. Landesmuseum f. Vorgeschichte, Halle 1989, ISBN 3-910010-01-6.
  • Horst Torke: Steinerne Zeugen der Geschichte im Landkreis Sächsische Schweiz. Pirna 1998, ISBN 3-932460-09-X.
  • Eva Maria Kraiss, Marion Reuter, Bernhard Losch: … und erschlugen sich um ein Stücklein Brot. Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe. eine Fotodokumentation. Künzelsau 2000, ISBN 3-934350-31-3.
  • Kurt Müller-Veltin: Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava. 2., überarb. und erw. Auflage. Köln: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 2001, ISBN 3-88094-570-5.
  • Stephan Altensleben: Rätselhafte Steinkreuze – Die Entdeckung ihrer wahren Bedeutung – Eine rechtsarchäologische Untersuchung (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Band 105). Beier & Beran, Langenweißbach 2023, ISBN 978-3-95741-194-5.
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Wiktionary: Mordstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Wiktionary: Sühnestein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Sühnekreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Wetterkreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. In der Schlacht von Rotensol vom 6.–9. Juli 1790 wurden die Reichstruppen von Erzherzog Karl von Österreich von französischen Truppen unter General Moreau vernichtend geschlagen. Das Dorf Rotensol mit damals 150 Einwohnern wurde völlig zerstört. Ein Soldaten-Massengrab, gekennzeichnet durch ein kleines Steinkreuz und eine Gedenktafel, erinnert an dieses Ereignis., siehe Amalie Heck: Schicksalswege Badischer Geschichte. Oberrheinische Straßen, regionale Verkehrswege und Verteidigungslinien in ihrer Bedeutung für die landesgeschichtliche Entwicklung. Badenia Verlag, Karlsruhe 1996, ISBN 3-7617-0331-7, S. 79.
  2. Bernhard Losch schreibt: „Die volkstümliche Überlieferung geht […] unbefangen und unkompliziert mit [den] Kreuzen um.“
  3. a b Bernhard Losch: Steinkreuze in Baden-Württemberg. Kommissionsverlag Konrad Theiss, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0754-2.
  4. Gebhard Schmitt: Die alten Steinkreuze auf Seckacher Gemarkung. Nur noch ein Exemplar erinnert an ehemalige Weidgrenze. In: Unser Land. Heimatkalender für Neckartal, Odenwald, Bauland und Kraichgau. 2015. Verlag Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-936866-57-5, S. 171–174.
  5. Hans-Heinz Hartmann: Historische Wegenetze, vergessene Kulturdenkmale unserer Heimat. In: Unser Land. Heimatkalender für Neckartal, Odenwald, Bauland und Kraichgau. 2015. Verlag Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-936866-57-5, S. 103–106.
  6. Hans-Heinz Hartmann: Zeugen mittelalterlichen Brauchtums. In: Schwaben & Franken, heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme. 42. Jg., Nr. 4, Juni 1996.
  7. J. Rünemann: Rillen und Näpfchen auf sakralen Denkmalen. In: Mitteilungsblatt der internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Nr. 29, 1977.
  8. Standorte. In: suehnekreuz.de. Abgerufen am 22. Mai 2020.
  9. Steinere Zeugen in der Landschaft - Fränkische Nachrichten. In: fnweb.de. Abgerufen am 22. Mai 2020.