Tagesbruchteil

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Der Tagesbruchteil ist die seit Tagesanfang (Mitternacht bzw. 00:00 h) verflossene und in Tagen ausgedrückte Zeit. Er wird in manchen Naturwissenschaften, besonders der Astronomie, statt der üblichen Uhrzeit für Zeitangaben verwendet.

So entspricht die Uhrzeit 6 Uhr dem Tagesbruchteil 0,25, da zu diesem Zeitpunkt der 24 Stunden eines ganzen Tages vergangen sind.

Dies hat mehrere Vorteile:

  1. Die Zwischenräume oder Sonderzeichen zwischen Stunden, Minuten und Sekunden entfallen;
  2. die Zahlen sind bei gleicher Genauigkeit kürzer;
  3. es ist nur eine Zeiteinheit (der Tag) notwendig;
  4. Zeitdifferenzen lassen sich einfacher berechnen, ohne Rechnen im Sexagesimalsystem.

Umrechnung zwischen Uhrzeit und Tagesbruchteil

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Um aus einer Uhrzeit HH:MM:SS (SS auch mit Nachkommastellen) den Tagesbruchteil zu berechnen, kann die seit Tagesbeginn verflossene Zeit zunächst in Sekunden umgewandelt und dann in Tage konvertiert werden:

Für die umgekehrte Richtung ( → HH:MM:SS) kann zunächst in Sekunden umgerechnet und dann durch zweimalige Division mit Rest SS, MM und HH bestimmt werden:

s = ⌊τ·86.400⌋
s/60 = m, Rest SS; SS = SS + frac(τ·86.400)
m/60 = HH, Rest MM

Hier ist

  • ⌊…⌋ der ganzzahlige Teil des Produkts
  • frac(…) der Nachkommaanteil.

Bei der Angabe des Ergebnisses einer Umrechnung sollte der Genauigkeit entsprechend gerundet werden.

Nachkommastellen von τ 1 2 3 4 5
in Tagen 0,1 d 0,01 d 0,001 d 0,0001 d 0,00001 d
in Stunden 2,4 h 0,24 h 0,024 h 0,0024 h 0,00024 h
in Minuten 144 min 14,4 min 1,44 min 0,144 min 0,0144 min
in Sekunden 8640 s 864 s 86,4 s 8,64 s 0,864 s
Genauigkeit 2,4 h 14 min 24 s 1 min 26,4 s 8,64 s 0,864 s

Die folgenden Beispiele zeigen, wie der Tagesbruchteil mit dem Kalendertag kombiniert werden kann:

  10. Januar  6 Uhr         wird zu   Jan. 10,25
  10. Januar  06:06         wird zu   Jan. 10,254
  10. Januar  06:06:03      wird zu   Jan. 10,25420
  10. Januar  06:06:03,456  wird zu   Jan. 10,25420667
  10. Januar  06:06:03,457  wird zu   Jan. 10,25420668

Vorteile für die Astronomie

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Die Rechnung in Tagesbrüchen ist besonders in der Astronomie gebräuchlich, etwa zur Angabe von Sternörtern in Jahrbüchern – wo das Tafelintervall oft in Sterntagen zählt – oder in sonstigen Ephemeriden.

Beispiel (astronomisches Jahrbuch 2013) mit Jahressprung:

z. B. für Sternkoordinaten im 10-Tage-Intervall (Sternzeit):
... Dez 14,50273     lautet herkömmlich    ... 14. Dez. (2013), 12:03:56 
... Dez 24,50000         -- " --           ... 24. Dez. (2013), 12:00:00
... Dez 34,49727         -- " --           ... 03. Jan. (2014), 11:56:04

Wie obiges Beispiel zeigt, wird durch Tagesbruchteile zum Jahreswechsel die Interpolation der Sternörter erleichtert. Zu Jahresbeginn würde dann bei 10-Tages-Intervallen z. B. vor Jan 17 und Jan 7 die seltsame Zeitangabe Jan -3 (für 28. Dezember 2012) stehen.